Wie kommt man überhaupt dazu, Seife selbst herzustellen?

 

Ich liebe Mittelaltermärkte und habe auf der Ronneburg vor vielen Jahren zum ersten Mal den Stand einer Seifensiederin gesehen. Zusammen mit meiner Mutter roch ich mich durch die verschiedenen herrlich duftenden Seifenstücke in allen Formen und Farben .

 

Schnell entstand der Wunsch, solche Kostbarkeiten selbst herzustellen, zumal sich mir schon immer die Nackenhaare beim Durchlesen der Etiketten industriell produzierter Kosmetika  gesträubt haben. Chemie in Hülle und Fülle - alles, was das Herz begehrt! Schon lange wollte ich von diesen Dingen wegkommen und die Suchmaschine spuckte dann ganz schnell und bereitwillig Informationen aus dem Internet aus, die mir zur ersten selbst gesiedeten Seife verhalfen.

Zunächst galt es eine Hemmschwelle zu überwinden, nämlich die, mit Ätznatron zu arbeiten. Dieses ist nicht ungefährlich und auch nicht unbedingt einfach zu beziehen. Kein verantwortungsbewußter Apotheker wird so ohne weiteres dieses Produkt über die Ladentheke gehen lassen, und so musste ich einiges an Überzeugungsarbeit leisten.

Aber es gelang und meine erste Seife entstand in einer Kuchenkastenform - ein unvorstellbar häßliches Werk, aber sie wusch sich toll, war sehr hautverträglich und hielt auch lange.

 

Seit 2009 siede ich nun, und das Schicksal wollte es, dass ich meinen bisherigen Beruf aufgab und eine Alternative suchte. Und so habe ich im zarten Alter von fünfzig Jahren den Schritt gewagt und meine Seifchen werden verkaufsfertig gemacht.

 

Es ist aber ein unglaublich steiniger Weg - SO schwer stellt man sich das gar nicht vor!

Möchte man gewerblich sieden, unterliegt man der Kosmetikverordnung, seit Juli 2013 der EU-Kosmetikverordnung.  Kosmetika unterliegen einer fast ebenso strengen Kontrolle wie Lebensmittel.

Dies beinhaltet u.a., dass die Siederin jedes einzelne Seifenrezept von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen lassen muss. Es ist nicht gestattet, einfach mal so ein neues Seifenrezept auszuprobieren und, falls das Ergebnis gefällt, die neuen Seiflein direkt in den Verkauf gehen zu lassen.

Auch Brüssel muss über  die Seifen der kleinen gewerblichen Siederin informiert werden - eine Bürokratie sondergleichen.

Selbstverständlich muss auch die separate Siedeküche geeignet sein und von der zuständigen Behörde abgenommen und genehmigt werden.

 

Schon so manche Hobbysiederin, die sich mit ihren sicherlich exzellenten Seifen eine kleine Einnahmequelle erschließen wollte, musste ob dieser strengen Richtlinien entnervt und finanziell überfordert aufgeben. Oder sie hat es darauf ankommen lassen und trotzdem verkauft - da drohen empfindliche Strafen!

 

Da ich eine kritische Konsumentin bin, sehe ich diese Richtlinien aber durchaus als sinnvoll an. Ja, sie sind sehr unbequem, zeitaufwändig und leider auch teuer, aber für den Verbraucher, wie ich ja selbst einer bin, unabdingbar.

 

Nun, der Kampf mit den Stolpersteinen wurde aufgenommen und ist gewonnen -  die schwersten bürokratischen Hürde sind genommen - die, die weiterhin kommen, sind zwar regelmäßig, aber nicht ganz so hoch.

 

In einem Forum berichtete schon vor Jahren eine gewerbliche Siederin, dass sie keineswegs den größten Teil des Arbeitstages mit Seifensieden, Seifenverpacken usw. beschäftigt ist - nein, die zeitaufwändigste Arbeit ist die Bürokratie, die Seifen kommen erst dran, wenn der Schreibtisch leer ist.

 

Wie recht sie hatte.

 

Nimmt man diese Gegebenheiten aber als sinnvoll und nicht zu ändern hin, so bleibt das herrliche Gefühl, in seiner eigenen geliebten Siedeküche zu stehen und sein Hobby als Beruf ausüben zu dürfen - ein Traum!