Mittelaltersilvester Göhren auf Rügen

Das hab ich noch gar nicht erzählt - an Silvester war ich mit meinen Seifen in Göhren auf Rügen.
Diese Veranstaltung  wird dort traditionsgemäß zu jedem Jahreswechsel von Sündenfrei  organisiert.

Ich muss aber ein bisschen ausholen - das wird ein längerer Bericht ;)

 

 

28.12.2015
Der Aufbau sollte am 29.12. sein und ich hatte knapp 850 km zu fahren.
Mein Dilemma - ich hatte kein freies Zimmer mehr auf Göhren bekommen. Das heißt, ich musste losfahren, ankommen und aufbauen, damit die Hunde und ich irgendwo schlafen konnten. Im beladenen Auto schlafen ist nicht möglich, da es immer bis zum Dach voll  ist, wenn ich auf Märkte fahre - selbst der Beifahrersitz ist belegt. Nur ein Nickerchen im Sitzen unterwegs ist möglich, und das ist doch recht unbequem.

 Also hab ich am 28. mein Auto geladen, mich dann abends schlafen gelegt - nein, ich habe mich hingelegt und VERSUCHT zu schlafen, aber schlafen vor einem Markt und generell vor Mitternacht ist immer so eine Sache bei mir. Kurz - an Schlaf war nicht zu denken, aber entspannen ist ja auch schon was.

 

 

29.12.2015
Um drei hab ich mich selbst und die Hundis ins Auto verfrachtet, nochmal aufgetankt und war um kurz nach halb vier morgens startklar ;)

 

Ich muss sagen, ich bin super gut durchgekommen, ich hatte auf der ganzen Strecke bis vor die Stralsunder Brücke keinen einzigen Stau!
Ich glaube, so was hab ich noch gar nicht erlebt!
Trotzdem brauchte ich recht lange, denn ich musste ja zwischendurch mehrmals mit den Hunden raus. Länger als drei Stunden im Auto mochte ich ihnen nicht zumuten.

 

Immerhin, morgens um kurz nach sechs hatte ich noch etwas mehr als 200 Kilometer bis Lübeck.

 

Am 29.12.  morgens um halb zehn waren fünfhundert Kilometer geschafft!
Mein Navi gab sich da noch der Illusion hin, wir würden wie geplant zwischen 13 und 14 Uhr ankommen...

 

 

Bald haben wirs! Laut Navi Ankunft viertel nach zwei, das ist doch prima!

 

 

Die Stralsund-Brücke - ca. 13:30 Uhr!

 

So, da hoffte ich, in einer halben Stunde an Ort und Stelle zu sein, aber weit gefehlt - der erste Stau dieser Reise auf den letzten Kilometern, und das so kurz vorm Ziel, schon auf der Insel Rügen.

 

Um ca. 15 Uhr bin ich endlich angekommen!

Göhren ist wunderschön und erst der strahlende Sonnenschein, herrlich!

Jetzt Zeit haben für eine lange Strandwanderung, das wärs ;)


Nun aber  erstmal die Schnuffs raus, damit sie ein bisschen rumlaufen konnten, dann wieder rein mit ihnen ins Auto und den Marktmeister gesucht. Ich hätte jetzt noch schön viel Zeit zum Aufbauen gehabt.

Nun ja, es gab dann leider zwei Probleme - das erste war, dass der Marktmeister echt viel zu tun hatte und ich eine Stunde auf ihn warten musste - da wars schon fast siebzehn Uhr - und das zweite Problem - ich sah nur Verbundsteinpflaster!

Und zwar mit ganz engen, betonierten Fugen!

Das heißt mit anderen Worten, dass es nicht möglich war, mit meinen Heringen in den Boden zu kommen und das Zelt aufzubauen.

Es war meine Schuld, ich hätte explizit beim Veranstalter nachfragen müssen, aber nun wars zu spät.

In der einen Stunde, in der ich keinen Ansprechpartner für diese Probleme hatte, hab ich echt so richtig gelitten! Es war eisig kalt, ich  wußte nicht, ob ich überhaupt mein Zelt aufbauen konnte; was ich hingegen wußte war, dass auf Rügen kein einziges Fremdenzimmer mehr frei war, und schon gar keines, wo ich mit meinen zwei großen Hunden hätte unterkommen können.

Es gab also nur zwei Möglichkeiten: entweder bald aufbauen oder aber direkt wieder ins Auto und mal eben die 850 Kilometer zurückrattern!

Und dann kam er, und er und seine Kollegin machten es möglich! Wir fanden ein Plätzchen direkt an der Ufermauer zwischen zwei  kleinen Grünflächen. Die beiden Außenseiten des Zeltes konnte ich da schon mal mit Heringen festmachen. Und dann ließen sie extra für mich von den Mitarbeitern des örtlichen Bauhofs, die schon längst Feierabend hatten, Betonklötze anfahren.
An diesen Klötzen konnte ich das Zelt befestigen.
Ich wäre diesen Leuten am liebsten allen um den Hals gefallen!

Ich war schon ziemlich ausgelaugt von der Fahrt, dem Schlafmangel, aber vor allen Dingen wegen des Stresses dieser einen letzten Stunde. Aber was wollte ich machen, ich hatte nur diese eine Möglichkeit, also hieß es jetzt nochmal vier Stunden ordentlich ranklotzen, aufbauen und einräumen das Zelt!

 

 

Hier der Beweis - Normannenzeltbau  auf Verbundsteinpflaster - geht alles...

Die nächste Widrigkeit war der Wind. Ich hatte zwar viel Seil mitgenommen, weil es ja logisch ist, dass es am Meer mehr stürmt als sonstwo, aber es windete doch schon recht heftig - so sehr, dass ich Mühe hatte, meine Vorderplane aufzustellen und festzuzurren. Nach mehreren Fehlversuchen, bei denen es mir beinahe wieder mal die Holzstangen um den Kopf gehauen hatte, hatte ich es aber geschafft. Schnell noch die Seitenplanen eingehängt und dann alles doppelt und dreifach fest verzurrt, auch an den Bäumen ringsherum - das Zelt stand sicher wie eine eins, ach, was war ich erleichtert!

 

Geschnürt, gebunden und geknotet, alles sicher trotz Sturm, wie sich einen Tag später herausstellen sollte.

Ich glaube, es war gegen 22 Uhr, als ich fertig war. Ich wollte dann noch mal mit den Hunden gehen und dann  schön die eigens zuvor angeschaffte Gasheizung anwerfen, um mich endlich, endlich hinlegen zu können.
Aber weit gefehlt - mir fehlte ein Werkzeug - ein einziges Werkzeug, um die Heizung auf die Gasflasche zu montieren. Nur ein klitzekleiner Inbus-Schlüssel, den ich zu Hause vergessen hatte.
Das war doch wie verhext!

Aber wir hatten ja noch mein Auto, die Hundis und ich.
Ich habe dann meinen Schlafsack und viele, viele Decken geschnappt, den Hundekäfig ausgebaut aus dem Auto und mit den beiden erstaunten Vierbeinern überraschend bequem hinten im Laderaum meines Combo genächtigt.
Die Hunde haben echt nicht schlecht gestaunt, als wir alle drei im Auto lagen ;)
Ich muss zugeben, dass ich kurz zuvor den Motor eine Viertelstunde habe warmlaufen lassen. Ja, mit schlechtem Gewissen, aber es waren draußen null Grad, Tendenz fallend. Und die Viertelstunde hat gereicht, um eine ausreichende Grundtemperatur ins Auto zu bekommen. Zu dritt da hintendrin mit genügend Decken und einem dicken Schlafsack wars dann warm genug, auch für die Hunde.

 

Es ist leider ein sehr schlechtes und sehr schiefes Foto, aber hier sieht man die beiden neben mir im Auto - der Boss schaut ganz fassungslos zum Fenster raus und Frey, den man hier leider nicht ganz erkennen kann, freut sich und rückt mir ordentlich auf die Pelle  ;)

 

Der Boss ließ sich aber dann später ebenfalls dazu herab, sich an mir zu wärmen, nachdem er sich an die für ihn sehr befremdliche Situation gewöhnt hatte...

 

30.12.2015

Am nächsten Morgen sah dann alles schon viel freundlicher aus, obwohl ich immer noch das Problem mit der Heizung hatte...

Die Hunde fanden den Strand toll und Loco konnte einfach  nicht verstehen, dass dieses viele, viele Wasser so anders schmeckte als das, was er bisher kannte.
Immer  wieder versuchte er zu trinken und ließ es dann angewidert und verständnislos wieder bleiben.
Er war noch nie im Meer, plantscht aber  immer gerne in Pfützen, Teichen und Bachläufen rum. Natürlich ist er hier trotz der Kälte auch ins Wasser gelatscht, allerdings nicht bis über den Bauch ;)
Frey ist mit seinen drei Beinen im Sand richtig herumgerast und war voller Lebensfreude.
Beide hatten unglaublich viel Spaß!
Leider habe ich es versäumt, Fotos davon zu machen, sehr schade :(

 

Und dann gings auch schon los, der Markt hatte begonnen. Nach wie vor war es sehr windig, und dadurch, dass mein Zelt überwiegend an den Betonklötzen befestigt war, reichte die Plane bei weitem nicht bis an den Boden, und es zog fürchterlich hinten, wo die Hunde lagen.

Also flugs ein bisschen umgebaut , damit sie sich vorne bei mir aufhalten konnten. War zwar eng und die Hunde sind auch manchmal zurück nach hinten gegangen, aber sie froren wenigstens nicht.
Die Temperaturen waren weiterhin um die  null Grad, und es war schon verdammt kalt, vor allem, als die Sonne sich verzog und Wolken aufkamen - und abends im Dunkeln sowieso.
Da kam ein Pärchen vorbei, das hier auf Rügen über Silvester zum Wintercamping war, und die beiden sprachen mich an, ob es denn nicht fürchterlich kalt sei so ohne Heizung. Ich klagte ihnen mein Leid, und die beiden erzählten mir, dass sie mit ihrer Gasheizung genau das gleiche Problem hatten, sich aber mit einem Akku-Schrauber beholfen hatten. Sie versprachen, am nächsten Morgen vorbei zu kommen, um mir die Heizung gangbar zu machen!
Ich war wirklich begeistert!
Überhaupt traf man so nette und herzliche Menschen hier.

 

31.12.2015

Nach einer weiteren Nacht im Auto kam ich am nächsten Morgen mit den Hunden an mein Zelt, um für den Markt zu öffnen, und da standen die beiden schon da!
Sie hatten an mich gedacht, den Akku-Schrauber in den Rucksack gepackt und ganz flugs meine Heizung in Gang gesetzt!
Kinder, das war ein Fest!
Vielen lieben Dank nochmal an die lieben Leute unbekannterweise!

 

 

Alles in allem war das ein  sehr schöner Markt. Ich fand es einfach herrlich, so dicht am Meer zu stehen mit meinem Stand.

 

 

 


Der Wind hatte nachgelassen, und meine Hunde konnten sich wieder nach hinten ins Zelt verziehen, wenn sie ihre Ruhe haben wollten (und die wollen sie oft *g*)

Leider wurde es später regnerisch (auf den Regen hatte ich schon gewartet..) und es gab viele Unvernünftige, die ihre abartig lauten Böller abschossen. Das müssen solche gewesen sein, die man hier bei uns in Deutschland nicht zu kaufen bekommt.
Später dann kamen meine große Tochter und ihr Freund, die später als ich angereist waren und eine Ferienwohnung angemietet hatten.
Sie nahmen meine Hunde mit zu sich in die Wohnung, denn das Böllern war für die beiden schon eine Qual.

Später waren wir Markthändler froh darüber, dass die Witterung feucht geworden war, denn die immer noch Unvernünftigen schossen ihre Feuerwerkskörper direkt auf die Baumwollzelte. Wenn die Planen so trocken gewesen wären wie gestern, hätten sie gebrannt wie Zunder...
Glücklicherweise hatten wir eine tolle Security, die dem idiotischen Spiel dann ein Ende setzte.

 

 

 

01.01.2016

Ein frohes neues Jahr allen!

 


Es war schon ein tolles Erlebnis, auf einem Mittelaltermarkt am Ostseestrand ins neue Jahr zu gehen! Das möchte ich auf gar keinen Fall mehr missen und würde es gerne noch einmal tun ;)

Dabei möchte ich auch noch einmal all die Leute erwähnen, die ich kennen gelernt habe, oder auch nur solche, die mir einfach auf der Straße begegnet sind - das waren alles durchweg ungeheuer freundliche und auch oft herzliche Begegnungen.

Nach Marktende fuhr ich dann in die Ferienwohnung meiner Tocher und ihres Freundes und konnte meine Hunde wieder in Empfang nehmen.
Die beiden hatten einen geruhsamen Abend verbracht, waren nochmal Gassi und waren sogar schon abgefüttert, als ich kam.
Und ich wurde sogar noch mit Tee und einer warmen Mahlzeit empfangen, welch ein Luxus, den mein Töchterlein mir da bot ;)

 

 

 

Wie schnell war der letzte Tag gekommen - es hieß noch ein letztes Mal an den Hundestrand, Abschied von Kind und Schwiegerfreund und ab gings mit den Hunden zum Abbauen.

 

 

 

 


Das Wetter hatte den ganzen Tag über gehalten, aber ganz zum Schluß, leider noch bevor ich die große Plane ins Auto packen konnte, fing es wieder an zu regnen, aber zum Glück nur ganz leicht.


Meine Pläne, nochmal hoch nach Sassnitz und an die Kreidefelsen zu fahren, gab ich schweren Herzens auf, denn es dämmerte schon und ich musste noch tanken. So gegen 17 Uhr fuhr ich etwas traurig los und hatte erneut eine sehr gute und stressfreie Reise.

 

Etwa um zwei Uhr in der Nacht kam ich zu Hause an.
Zwei Tage später traten meine Tochter und ihr Freund die Heimreise an - mit weniger Glück als ich, denn schon am Tag meiner Abreise wurde es in Göhren noch richtig kalt und auf der Heimfahrt hatten sie Schnee ohne Ende und standen mehrere Stunden im Stau.

 

02.01.2016

So, Auto ausgeladen, Doppelgarage voll mit ausgebreiteten  Planen, Werkzeug und Ausrüstung  (Autos stehen bei uns keine in der Garage...)
- und das hier im Treppenhaus  ist ein kleiner Teil meiner Ware und sonstiger Kleinkram - unten an der Treppe steht noch mehr...  

Chaos ohne Ende. 

 

Aber ohne dieses Chaos wär ich nur ein halber Mensch ;)

 

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