Palmöl - die Katastrophe, die keiner sehen will

Habt Ihr alle schon von Palmöl gehört?

 


Wißt Ihr, wie es abgebaut wird und wie dies sich auf die Umwelt auswirkt?
Schon sehr lange beschäftige ich mich mit diesem Thema und finde viel zu oft neue Fakten die belegen, wie schädlich der Konsum von Palmöl ist.

Zunächst mal einige Infos über den Baum, aus dem das Öl gewonnen wird:
Es handelt sich hier um die Ölpalme, wissenschaftlicher Name: Elaeis guineensis.
Sie war ursprünglich in Afrika beheimatet, ist heutzutage aber vor allem in Südostasien  und im tropischen Südamerika zu finden, weil sie dort kultiviert wird. 
Sie kann weit älter als 100 Jahre werden, wird aber als Nutzpflanze nach ca. 25 Jahren weitestgehend wertlos, da dann ihre Früchteproduktion stark abnimmt.

Die portugiesischen Seefahrer erfuhren schon, dass die Ölpalme eine hervorragende Nutzpflanze ist, aber damals hatte man nicht die Möglichkeit, die schnell verderblichen Früchte haltbar zu machen. Erst nach 1900 schaffte man hier den Durchbruch, und man begann, die Ölpalme in großem Stil in Westafrika, Indonesien und Malaysia zu kultivieren.

Aus der Ölpalme wird Palmöl und Palmkernöl gewonnen.

  • Palmöl, auch Palmfett genannt, wird aus dem Fruchtfleisch der sterilisierten und gepressten Palmfrüchte  gewonnen.
  • Das Palmkernöl hingegen gewinnt man aus den getrockneten, gemahlenen und gepressten Kernen der Ölpalmenfrüchte.
  • Palmfett und Palmkernöl eignen sich hervorragend zur Herstellung nahezu aller Güter, die wir im täglichen Leben "brauchen".  Das Fatale: es ist einfach billiger als andere Stoffe, durch die man es ersetzen könnte.

 

Palmöl ist das meist angebaute Pflanzenöl der Welt.


Und die Produktion steigt rasant an.
2001 wurden weltweit 25,6 Millionen Tonnen Palmöl produziert, 2009 waren es  46 Millionen Tonnen und  im Jahr 2015 beängstigende  60 Millionen Tonnen.

 

Hauptanbauflächen:

Die Hauptanbauflächen befinden sich in Malaysia und Indonesien (zusammen 85% der Weltproduktion) und haben sich seit 1990 verzehnfacht. Weitere Produktionsländer sind Kolumbien, Nigeria und Thailand.

 

Palmölproduzenten, Palmölvermarkter:

Die weltweit größte Handelsgesellschaft  ist  Wilmar International.
Danach kommen  die südostasiatischen  Unternehmen  Sime Darby,  IOI Group  und  Kuala Lumpur Kepong.

 

Hauptabnehmer:

Vor allem Europa und Asien, dabei Indien als größter Importeur. 

  

 

Palmöl ist in unglaublich vielen Konsumprodukten und Produkten der Industrie enthalten.

 

Palmöl ist ein billiger Rohstoff und das mit Abstand  billigste Pflanzenöl  und hat viele chemische Eigenschaften, die sich die Industrie und die Lebensmittel- und Kosmetikhersteller zunutze machen.

Es  steckt in tausenden von Supermarktprodukten  - nämlich in etwa der Hälfte (!):

 

  • In Lebensmitteln wie Margarine, nahezu allen Arten von Schokolade, Schokokeksen, Schokomüsli, Schokoaufstrichen, Speiseeis, Kekse, Fertiggerichten, Tiefkühlpizzen , Tütensuppen u.v.m.
  • In Kerzen, Wasch- und Reinigungsmitteln
  • In der Kosmetik
  • Palmöl wird in der Massentierhaltung als Futtermittel verwendet.
  • Es fällt mir schwer zu berichten, dass auch die zertifizierten Bio-Firmen wie Alnatura, Allos, Rapunzel, usw.  Palmöl verwenden. Ja, sie verwenden das angeblich nachhaltig angebaute Palmöl, aber wie weiter unten zu lesen ist, kann es das gar nicht geben, da es nicht möglich ist, Palmöl in dieser Masse nachhaltig zu erwirtschaften und die vorgegebenen umweltschutztechischen und humanitären Standards wiederholt nicht eingehalten wurden und werden.


Die traurigste und schändlichste Tatsache kommt noch:

Es steckt auch im Treibstoff!

 

An vielen Stellen  der Welt hungern, leiden und sterben Mensch,  Tier und Pflanze,

damit wir Sprit im Tank haben!

 

 

 

Kommen wir zu den Nachteilen - wappnet Euch, die  Liste wird lang!

 

Zunächst geht es um den Anbau und die zuvor notwendige Rodung schlechthin:

  • Pro Minute (!)  werden auf der Welt  Regenwälder von einer Fläche  von 35 Fußballfeldern zerstört.
  • Zwischen 1990 und 2005 wurden 1,87 Millionen Hektar Palmölplantagen in Malaysia und mehr als 3 Millionen Hektar in Indonesien neu angelegt; davon entstand mehr als die Hälfte durch die Abholzung des Regenwaldes.
  • Durch die Rodung wird Kohlenstoff in hohen Mengen freigesetzt. Wir kennen das CO2, das die Erdatmosphäre ungünstig beeinflusst.  Sehr oft wird auch Brandrodung betrieben, was diesen ohnehin schon schlimmen Effekt noch verstärkt. 
  • In Indonesien gibt es zusätzlich noch das Problem, dass es dort sehr viel Torfboden gibt. Torfboden speichert besonders viel CO2, welches freigesetzt wird, wenn die Böden zum Anlegen der Plantagen entwässert werden.  Die Umwandlung eines einzigen Hektars Torfmoorregenwaldes in eine Palmölplantage  setzt bis zu 6.000 Tonnen CO2 frei!
    Jede auf ehemaligem Torfboden erzeugte Tonne Palmöl sorgt für den Ausstoß von 10 - 30 Tonnen CO2  (s.  Studie der ENGO Wetlands International)
    Ein anderer Vergleich: Eine typische Palmölplantage verschmutzt die Atmosphäre im selben Ausmaß wie 22.000 Autos.
  • Indonesien ist vor allem durch die Regenwald-Abholzung der weltweit drittgrößte CO2-Emittent nach den USA und China.
  • Ein Hektar Regenwald speichert etwa 300 Tonnen Kohlenstoff, ein Hektar Palmölplantage weniger als 40 Tonnen. Sagt das nicht genug?
  • Nicht vergessen werden dürfen hier all die Maschinerien und Hilfsmittel für Bodenbearbeitung, Ernte, Transport und Verarbeitung. Alleine hierfür werden große Mengen an fossiler Energie aufgewendet.
    Originalzitat von  rettet-den-regenwald.org:  "Selbst wenn Ölpalmen in der Wüste angebaut werden könnten, wäre Biodiesel niemals – wie von der Industrie behauptet – 'klimaneutral'."
  • Lt.  meteorologischem Zentrum der ASEAN    verstärkt sich aufgrund der Brandrodungen das Klimaphänomen  El Niño und bedingt eine verlängerte Trockenzeit für die Region, was wiederum die Ausbreitung von Waldbränden fördern würde.

 

Die Auswirkung auf Tiere und Pflanzen:

  • Die Artenvielfalt wird in beispielloser  Schnelligkeit zerstört!
    In Indonesien beispielsweise leben viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten  (Orang-Utans, Sumatratiger und Borneo-Nashörner). Schätzungsweise 2000 Orang-Utans sterben jährlich, sie sind in Freiheit nur noch auf Borneo und Sumatra anzutreffen - und das nicht mehr lange, wenn die Palmölplantagen wachsen.
    Ansonsten ist es wie bei allen Mono-Kulturen - sie bieten nur wenigen Arten einen Lebensraum.
  • Durch massiven Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger (insbesondere Paraquat, das bei uns verboten ist)  in Verbindung mit den starken Regenfällen in der Region werden das Grundwasser und damit auch Mensch und Tier in der Umgebung vergiftet.

 

Die Auswirkungen auf den Menschen:

  •  Die Gesundheit  der Einheimischen wird durch die Palmölplantagen stark beeinträchtigt. Die illegale Brandrodung, die absichtlich während der Trockenzeit durchgeführt wird (da fällt ein Brand nicht sonderlich auf), verursacht Qualm und Rauch, der zu Atemwegserkrankungen führt. Laut einem Bericht der NASA starben im letzten Jahr 19 Menschen an den Folgen dieser Erkrankungen und 500.000 mussten deswegen ärztlich behandelt werden. 300 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter sind für den Menschen stark gesundheitsgefährdend - in Indonesien werden Spitzenwerte von über 2.000 Mikrogramm gemessen!
  • Durch massiven Einsatz von Pestiziden und Kunstdüng er (insbesondere  Paraquat, das bei uns verboten ist) in Verbindung mit den starken Regenfällen in der Region werden das Grundwasser und damit auch Mensch und Tier in der Umgebung vergiftet.
  • In Indonesien leben 45 Millionen Menschen in Wäldern. Dort gehen ca. 5.000 Land- und Menschenrechtskonflikte auf das Konto der Palmölindustrie.
  • Insbesondere die Firma Wilmar  ist dafür bekannt, in mehreren Fällen  Landraub begangen zu haben; bekannt sind  Fälle in Sumatra und Borneo.
    (Übrigens, Wilmar beliefert Unilever, und hierher kommt unser leckeres Langnese-Speiseeis. Guten Appetit!)
  • Ebenfalls von diesem und den anderen Unternehmen wird die indigene Bevölkerung vertrieben, ihre Lebensgrundlage und  Kultur werden vernichtet.
    Viele Einwohner, die sich gegen den Landraub wehrten, wurden verhaftet.
  • Wikipedia berichtet über Zwangsarbeiter, die mit falschen Versprechungen angelockt wurden, und von tausenden Kindern, die Fronarbeit  zu leisten haben. 

  

 

Nachhaltiges Palmöl?
Bio-Palmöl?
Was ist der RSPO?

 

Der WWF setzte sich für nachhaltig angebautes Palmöl ein und rief den  RSPO  (der runde Tisch für nachhaltiges Palmöl)  ins Leben . Der RSPO definierte so selbstverständliche Vorgaben wie humanitäre Regelungen, Verzicht auf Pestizide, Verzicht Brandrodung und Verzicht auf weitere Abholzung des Regenwaldes.
Hier kann man es nachlesen; es ist wunderbar beschrieben und hört sich gut an.

Doch das alles ist eine Farce, denn Monokulturen diesen Ausmaßes  können niemals nachhaltig  und umweltverträglich sein!
Es gibt kein nachhaltiges Palmöl,  ebensowenig, wie es Bio-Palmöl geben kann!


Der RSPO hält nicht, was er verspricht. Was tatsächlich  passiert,  ist vielmehr ein Greenwashing von Palmöl aus illegalen Rodungen über verschlungene Kanäle, es wiederholen sich Menschenrechtsverletzungen wie der weiter oben beschriebene Landraub, und Sozialstandards werden ebenfalls nicht eingehalten. Bei Zuwider-handlungen reagiert der RSPO langsam bis gar nicht, so berichtet Robin Wood.
Die Vorgaben werden einfach nicht eingehalten und  auch nicht überprüft.
256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt haben bereits 2008 den RSPO als Etikettenschwindel abgelehnt.
Der Klimaschutz ist vom RSPO überhaupt nicht berücksichtigt, da weiter Brandrodung betrieben wird und eine Palmölplantage an sich gar nicht klimaunschädlich sein kann (siehe weiter oben bei den Nachteilen - Abbau und Rodung). 

 

 

Schaut mal bei  Google Maps  unterhalb des Ortes Pangkut. 
Wechselt zur Earth-Ansicht. Sieht aus wie schöner grüner Wald? Zoomt näher ran und findet die gitternetzartigen Strukturen zwischen dem Grün. Das sind Wege/Straßen und dazwischen sind die Ölpalmen in Reih und Glied angeordnet. Geht weiter nach rechts und seht, dass sich die gleichen Strukturen auch dort ausbreiten.  Zoomt wieder etwas weg und erkennt die Größe nur dieser einen Plantage! Erkennt den Wahnsinn!

 

  

 

Ihr seid beim Einkaufen und wollt ohne Palmöl auskommen?
Lest hier weiter, denn dort findet Ihr die Deklarationen, hinter denen sich Palmöl und Palmkernöl versteckt.

Weiterhin findet Ihr hier eine Beispielberechnung für die Kosten einer Seife ohne Palmöl.

  

 

 

 

Quellen:
Wikipedia  (Permalink Ölpalme)
Wikipedia  (Permalink Palmöl)

Abenteuer Regenwald
Faszination Regenwald

regenwald.org

Focus vom 05.07.2015    (Anmerkung: Die Behauptung, Palmöl in Kosmetika müsse nicht  deklariert werden,
                                                                       ist nicht korrekt. Das Gegenteil ist der Fall. Für Kosmetika gelten zum Teil

                                                                      wesentlich strengere und umfangreichere Deklarationsvorgaben.)

Bericht über den  RSPO

 

Albert-Schweitzer-Stiftung v. 27.02.2016 
Robin Wood über Palmöl

 

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